Kommunikation I (Technisches Kompetenzelement 1.18)

Kommunikations-Grundlagen und -Modelle

Zu Beginn der Erarbeitung der Lehrinhalte zur GPM IPMA Level D Zertifizierung ist es sinnvoll, sich mit dem Thema Kommunikation zu befassen, da in einem Projekt immer mehrere Personen beteiligt sind der Informationsaustausch und somit Kommunikation unabdingbar ist.

Was ist Kommunikation und wie erfolgt diese?

Kommunikation im Projektmanagement ist der Austausch von Informationen zwischen Projektbeteiligten. Insbesondere als Projektleiter ist die Kenntnis von Grundlagen und Modellen entscheidend, um Kommunikation

  • bewusst wahrzunehmen,
  • beeinflussen und
  • gestalten zu können.

Interdependenzen von Kommunikation mit anderen Kompetenzelementen

Kommunikation stellt die Grundlage für den Erfolg aller anderen Kompetenzelemente dar:

  • Technische Kompetenzelemente (1.xx) liefern und/oder beinhalten Informationen, die es zu verarbeiten und durch Kommunikation weiterzugeben gilt.
  • Verhaltens-Kompetenzelemente (2.xx) sind naturgemäß eng mit Kommunikation und Kommunikationsformen verbunden.
  • Kontext-Kompetenzelemente (3.xx) bedürfen der Kommunikation zur erfolgreichen Einflussnahme.

Projektmanagement Kommunikations-Modelle - Kurzvorstellung

Sender-Empfänger-Modell

Als einfaches Modell der Kommunikation wurde das Sender-Empfänger-Modell aus der Technik auch für die Kommunikation zwischen Menschen übernommen. Hierbei gibt es eine Botschaft, die vom Sender an den Empfänger ausgeschickt wird. Jedoch wurde schon bei Einführung des Modells darauf hingewiesen, dass das Modell die menschliche Kommunikation nur sehr ungenügend erfasst. Die komplexen Zusammenhänge der menschlichen Kommunikation, die durch psychische Prozesse und wechselseitige Reaktionen geprägt ist, werden durch das Modell nicht abgebildet.

Somit kann das Sender-Empfänger-Modell nur als Ausgangspunkt der Betrachtung von menschlicher Kommunikation angesehen werden und zeigt vielmehr, dass gerade solch eine simplifizierte Betrachtung von Kommunikation die Quelle von Problemen und Missverständnissen in der Kommunikation darstellt.

Kommunikations-Modell nach Watzlawick – Zwei Ebenen der Kommunikation

Ein weiterführendes Modell der Kommunikation stellt das Modell von Watzlawick dar, in welchem nach zwei Ebenen der Kommunikation unterschieden wird.

Sach-Ebene

In der Sach-Ebene wird der tatsächliche Inhalt (das ‚Was’) übertragen. Hier werden die Tatsachen und Argumente übermittelt. Die Kommunikation auf der Sach-Ebene wurde von Watzlawick als ‚digital’ beschrieben. Dies bedeutet, dass hier ein Sprachcode (z.B. Sprache, Fachbegriffe) zwischen Sender und Empfänger genutzt wird, so dass die Information für den Empfänger auf dieser Ebene eindeutig ist, wenn dieser den Sprachcode beherrscht.

Beziehungs-Ebene

Jede Kommunikation beinhaltet jedoch auch eine weitere Ebene, in der übertragen wird, wie der Inhalt zu verstehen ist (das ‚Wie’). Die sogenannte Metakommunikation (also Kommunikation über die Kommunikation) beinhaltet, wie die Kommunikation aufzufassen ist und wie das Verhältnis der Beteiligten untereinander gesehen wird. Die Kommunikation erfolgt auf dieser Ebene ‚analog’. Dies bedeutet, dass auch Botschaften in einer nicht-verbalen Form (also z.B. durch Mimik, Tonfall, Kontext) gesendet werden und diese beim Empfänger Emotionen auslösen, die zu einer Deutung der Botschaft führen.

Nachrichtenquadrat (4-Ohren-Modell)

Das Zwei Ebenen Modell wurde von Friedmann Schulz von Thun weiterentwickelt zu dem Nachrichtenquadrat oder 4-Ohren-Modell. In jeder ausgesprochenen Botschaft zwischen Sender und Empfänger gibt es vier Nachrichten, die der Sender in Richtung Empfänger losschickt. Als einprägsame Aufstellung nutze ich hier den Ausdruck TALK, um die vier Bereiche zu erklären.
T – Tatsache
Dies beinhaltet die Information, entspricht also der Sach-Ebene nach Watzlawick.
A – Ausdruck
Hier gibt der Sender eine Aussage über sich selbst preis. Es ist eine Ich-Aussage, die Haltung, Sicht der Dinge oder Informationsstand des Senders beinhalten kann. Dies wird auch als Selbstoffenbarung bezeichnet.
L – Lenkung
In diesem Anteil wird vermittelt, was der Sender eigentlich mit der Botschaft beim Empfänger erreichen möchte. Solch ein Appell soll den Empfänger zu einer Handlung oder Empfindung bewegen.
K – Kontakt
Dieser Bereich beinhaltet weitestgehend die Beziehungsebene nach Watzlawick (siehe oben).

Kommunikationsarten

Betrachtet man die Art, wie Kommunikation erfolgen kann, sind verschiedene Teilaspekte aufzuführen, die jeder bei seiner Kommunikation bewusst oder auch unbewusst nutzt oder nutzen kann.

Verbal – das Gesagte, also Worte, Fakten, Argumente;
Nonverbal – Körpersprache (also Körperhaltung, -bewegung), Mimik, Blickkontakt, Kleidung;
Paraverbal – Tonfall, Melodie, Tempo, Pausen, Atmung, Lautstärke

Zusammenfassung

Neben dem tatsächlichen Inhalt, also der Sache, die durch Kommunikation übermittelt werden soll, spielen viele weitere Aspekte bei Kommunikation eine entscheidende Rolle. Die Herausforderung bei Kommunikation insbesondere innerhalb eines Projekts oder Projektteams besteht daraus, diese Ebenen oder Aspekte der Kommunikation einerseits als Sender bewusst zu nutzen (oder unterbleiben zu lassen) und andererseits als Empfänger zu deuten und entsprechend zu hinterfragen oder aufzugreifen.

Foto: “Four” von Jukka Zitting lizensiert unter CC BY 2.0
Foto: “T is for Turbulence”, “A is for Awkward”, “L is for Lunacy”, “K is for Keen” von Chelsea Parker lizensiert unter CC BY-ND 3.0

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